Die Problematik von Bewertungsportalen

Die Problematik von Bewertungsportalen

Kürzlich erzählte mir eine Ärztin, dass sie seit Monaten ganz konkret ein Problem mit einem Herrn habe, der eine Rechnung nicht zahlen wollte. Er sagte ihr damals offen ins Gesicht, dass, wenn sie auf die Rechnung nicht verzichte, er sie über Bewertungen im Internet schädigen würde. Nun, was macht man in so einer Situation? Ich habe ein wenig recherchiert und mich auf den einschlägigen Bewertungsportalen umgeschaut. Vorweggenommen: Das Ergebnis ist ernüchternd.

Zunächst einmal meine Empfehlung im Umgang mit einer solchen Drohung, bei der es sich im strengen Sinne um eine handfeste Erpressung handelt. Einem solchen Patienten sollten Sie m. E. nach nicht nachgeben und die Rechnung zur Not an ein Inkasso-Unternehmen übergeben. Denn eine solche Person wird ohnehin anonym eine Bewertung im Internet abgeben, so oder so.

Und genau hier liegt auch das Problem bei den Bewertungsportalen. Im Unterschied zur herkömmlichen Mund zu Mund Propaganda, ist es online möglich, vollständig anonym zu bewerten. Folgen sind nicht zu befürchten. Man muss also weder seine Meinung verteidigen, noch Angst haben, dass eine schlechte Empfehlung auf einen zurückfällt.

Warum ist das eigentlich erlaubt?
Hier ein Ausschnitt aus einem „Hilfstext“ eines der großen Gesundheitsportale :
„Können sich Ärzte/Heilberufler aus der jameda-Datenbank streichen lassen?“
„Ist ein Arzt/Heilberufler nicht in öffentlichen Verzeichnissen gelistet, wird er selbstverständlich auch aus der jameda-Datenbank gelöscht. Eine E-Mail an datenschutz@….de reicht hierfür aus. Wenn die geschäftsbezogenen Daten jedoch über online-Branchenbücher, online-Telefonbücher, Arztsuchen der KVen usw. öffentlich zugänglich sind, ist das Erheben, Speichern, Verändern oder Übermitteln personenbezogener Daten oder ihre Nutzung als Mittel für die eigenen Geschäftszwecke rechtlich zulässig (siehe auch § 28 Abs. 1 Nr. 3 des Bundesdatenschutzgesetzes).“

Ja, das Bundesdatenschutzgesetz. Was für ein Paradoxon: Natürlich müssen Ärzte Ihre Daten veröffentlichen. Dazu sind sie als Freiberufler gewissermaßen sogar gezwungen. Wie sonst will denn irgendwer von Ihrer Existenz erfahren? Dass sie damit aber automatisch in den zweifelhaften Genuss anonymer Bewertungen kommen, widerspricht doch dem Credo der freien Berufsausübung. Nun ja, das Datenschutzgesetz werden wir wohl nicht so schnell ändern können. Also konzentrieren wir uns auf das, was machbar ist:

 

1. Eigene Webseite: Eine gute gestaltete und vor allem gut gerankte eigene Praxiswebseite . Die eigene Seite sollte in jedem Fall vor den Suchergebnissen der Bewertungsportale auftreten.

2. Anonyme Bewertungen: Ganz einfach: Wenn die Vergleichsportale anonyme Bewertungen zulassen, dann bewerten Sie doch einfach anonym. Und zwar Ihr eigenes Profil, mit Bestnoten natürlich! Damit diese Arbeit nicht uferlos wird, sollten Sie natürlich zunächst die Bewertungsportale herausfiltern, die an den ersten Stellen der Suchergebnisse zu finden sind. Hier melden Sie sich mit einer fiktiven Adresse an, und schreiben etwas Nettes über sich selbst.

3. Persönliche Bewertungen: Sollte ein Patient von Ihnen, der Ihnen tatsächlich bekannt ist (aus dem Profil oder dem geschriebenen) eine negative Bewertung verfasst haben, spielen Sie mit offenen Karten (ohne allerdings seinen Namen zu nennen). Reagieren Sie objektiv auf das geschriebene, gestehen Sie ruhig auch mal Fehler ein, entschuldigen Sie sich notfalls. Ihr persönliches Engagement an dieser Stelle wird mit Sicherheit große Akzeptanz und Verständnis bei den Lesern hervorrufen.

 

Natürlich bedeutet die „Kontrolle“ von online Bewertungen eine Menge Zeit und Arbeit. Sollten Sie sich diese sparen wollen, wenden Sie sich gerne an mich.

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